65-jährige Berlinerin erwartet Vierlinge: Ist hier eine künstliche Befruchtung noch vertretbar?

| 14. April 2015 | 0 Kommentare
65-jährige Berlinerin erwartet Vierlinge: Ist hier eine künstliche Befruchtung noch vertretbar?

65-jährige Berlinerin erwartet Vierlinge: Ist hier eine künstliche Befruchtung noch vertretbar?

Sie ist 65 Jahre alt und erwartet in diesem Sommer Vierlinge. Annegret R. aus Berlin schockt damit nicht nur Frauenärzte und Reproduktionsmediziner, sondern ganz Deutschland.

Annegret R. wollte in einem Alter, wo andere Frauen bereits Großmütter werden, noch einmal eine Schwangerschaft am eigenen Leib erfahren. Ihre letzte Tochter brachte sie bereits mit 55 Jahren auf die Welt. Heute ist Leila 10 Jahre alt.

Inzwischen ist Annegret R. 65 und erwartet in diesem Sommer gleich Vierlinge. Mehrfach ließ sich die Englisch- und Russischlehrerin im Ausland künstlich befruchten. Die letzte Behandlung zeigte Erfolg. Gleich 4 Embryonen wurden eingesetzt und entwickelten sich zu Föten.

Reproduktionsmediziner zeigen sich schockiert

Frauenarzt Ullrich Hilland, außerdem Vorsitzender des Bundesverbandes für Reproduktionsmedizinischer Zentren Deutschlands, kann dies nicht gutheißen. Je mehr Embryonen einer Frau eingesetzt werden, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einer Schwangerschaft mit Mehrlingen kommt. Diese ist bereits bei wesentlich jüngeren Müttern mit einem hohen Risiko verbunden.

In Deutschand ist es verboten Eizellen von Spenderinnen einzusetzen. Lediglich Samenspenden sind hier gestattet. Tschechien, Spanien, Belgien und andere EU-Länder erlauben hingegen diese künstliche Befruchtung. Meist handelt es sich aber, um viel jüngere Frauen, die auf normale Weise nicht schwanger werden können. Ein solcher Fall, wie bei Annegret R. ist dem Mediziner bisher nicht bekannt gewesen.

Eine jede Schwangerschaft bringt den Körper an seine Grenzen

Auf natürliche Weise hätte die Berlinerin nicht mehr schwanger werden können. Mit knapp über 50 Jahren kommen die meisten Frauen in die Wechseljahre. Das heißt, die Periode bleibt aus und sämtliche Eizellen sind bereits verbraucht. Damit die Lehrerin überhaupt mit Hilfe einer künstlichen Befruchtung ein Kind austragen konnte, musste Annegret R. vorab eine Hormonbehandlung vornehmen. Nur mit ausreichend Gelbkörpern, Östrogene und Progesteron, können sich fremde Eizellen hier noch in die Gebärmutter einnisten.

Im Reagenzglas werden die fremden Eizellen mit dem Samen des Spenders befruchtet. Nach einigen Tagen werden die Embryonen dann eingepflanzt. Nisten diese sich in der Schleimhaut ein und wachsen weiter heran, war die künstliche Befruchtung erfolgreich.

Risiko für Mutter und Kinder

Durchaus kann der Körper einer 65-Jährigen noch Kinder austragen. Dies ist aber mit einem sehr hohen Risiko verbunden. Eine jede Schwangerschaft treibt den weiblichen Körper zu Höchstleistungen an und geht oftmals an seine Grenzen. Mehrlingsschwangerschaften erhöhen dieses Risiko noch mit jedem weiteren Fötus. Allein die Gefahr, dass die werdende Mutter Thrombose bekommt ist groß. Zumal jederzeit die Gefahr besteht, dass die Wehen viel zu früh einsetzen.

Gelingt es den Medizinern Fehlgeburten zu vermeiden, ist die Gefahr noch lange nicht gebannt. Im Schnitt kommen Vierlinge nach der 31. Schwangerschaftswoche auf die Welt. Als Frühchen besteht hier jederzeit die Gefahr, dass die Kleinen Hirnblutungen bekommen oder gar an Lähmungen leiden. Zudem können Seh- und Hörschäden auftreten. Frühgeburten bleiben außerdem meist krankheitsanfälliger, als Babys, die ausgetragen wurden.

Experten raten von einer Schwangerschaft in solch späten Jahren ab. Nicht nur gesundheitlich Faktoren spielen hier eine Rolle. Es ist doch fraglich, ob es wirklich das Beste für ein Kind ist mit einer betagten Mama aufzuwachsen, die zudem noch nicht einmal die genetische Mutter ist.

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Foto oben: Simone Hainz/Pixelio.de

Foto unten: Albrecht E. Arnold/Pixelio.de

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Kategorie: Gesundheit, News

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